Anleitung
Tinkercad für Einsteiger: erstes Modell zum Drucken
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Kurz gesagt
Tinkercad ist ein kostenloses Konstruktionsprogramm im Browser. Sie setzen Grundformen zusammen, geben Maße in Millimetern ein, schneiden mit Lochkörpern Aussparungen aus und exportieren das Ergebnis als STL-Datei. Die Datei laden Sie anschließend im Slicer. Für einfache Halter, Clips und Gehäuse reicht das völlig aus.
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Wer ein eigenes Teil drucken möchte, statt nur fertige Modelle herunterzuladen, braucht ein Konstruktionsprogramm. Tinkercad eignet sich dafür besonders gut, weil es im Browser läuft und mit wenigen Grundformen auskommt. Diese Anleitung führt durch ein erstes Modell, erklärt die wichtigsten Werkzeuge und zeigt, welche Fehler Anfänger beim Konstruieren druckbarer Teile am häufigsten machen.
Was Tinkercad kann und wofür es reicht
Tinkercad stammt von Autodesk und läuft im Webbrowser. Sie benötigen ein Benutzerkonto, aber keine Installation. Das Prinzip ist einfach: Sie ziehen Grundkörper wie Quader, Zylinder oder Kegel auf eine Arbeitsfläche, ändern Größe und Position und verbinden sie zu einem Teil. Es gibt keine komplizierten Skizzen und Bedingungen wie in klassischer CAD-Software.
Für den Alltag im 3D-Druck genügt das oft: Halterungen, Abstandhalter, Clips, einfache Gehäuse, Namensschilder oder Anpassungen an vorhandenen Teilen. Bei organischen Formen, sehr präzisen Passungen oder großen Baugruppen stößt das Programm an Grenzen. Dann lohnt sich später der Umstieg auf parametrische CAD-Software.
Wenn Sie noch keinen Drucker besitzen, finden Sie im Ratgeber 3D-Drucker für Anfänger passende Geräte, mit denen sich eigene Konstruktionen gut ausprobieren lassen.
Die Oberfläche in fünf Minuten
In der Mitte liegt die Arbeitsebene, ein blaues Raster, auf dem Ihr Modell entsteht. Rechts befindet sich die Formenbibliothek mit Grundkörpern. Oben sitzen die Werkzeuge zum Gruppieren, Ausrichten, Spiegeln und Duplizieren. Mit der Maustaste drehen Sie die Ansicht, mit dem Mausrad zoomen Sie.
Jede Form zeigt beim Anklicken Anfasser. Die weißen Punkte an den Ecken ändern die Größe, der schwarze Pfeil darüber verschiebt die Form in der Höhe, der gebogene Pfeil dreht sie. Ein Klick auf die Form öffnet außerdem ein Feld, in dem Sie die Maße direkt eintippen. Gerade für druckbare Teile sollten Sie immer mit Zahlenwerten arbeiten und nicht nach Augenmaß ziehen.
- Formenbibliothek rechts: Quader, Zylinder, Kugel, Dach, Text und weitere Körper
- Werkzeugleiste oben: Gruppieren, Gruppierung aufheben, Ausrichten, Spiegeln
- Lineal unten rechts: setzt einen Nullpunkt, um Maße abzulesen
- Raster einrichten: Rasterweite lässt sich auf 0,1 mm stellen
Erstes Modell: ein Kabelhalter in Schritten
Ein einfacher Halter für ein Ladekabel ist ein gutes Übungsstück. Er besteht aus einem flachen Quader und einer Aussparung. So gehen Sie vor.
- 1
Ziehen Sie einen Quader auf die Arbeitsebene und geben Sie zum Beispiel 40 mm Länge, 20 mm Breite und 10 mm Höhe ein.
- 2
Ziehen Sie einen Zylinder daneben, stellen Sie ihn auf 8 mm Durchmesser und 10 mm Höhe und setzen Sie ihn in den Quader.
- 3
Klicken Sie beim Zylinder auf Loch statt Volumenkörper. Er erscheint nun gestreift und zieht beim Gruppieren Material ab.
- 4
Markieren Sie beide Formen und klicken Sie auf Gruppieren. Die Aussparung ist jetzt im Quader ausgeschnitten.
- 5
Prüfen Sie die Abmessungen noch einmal mit dem Lineal und drehen Sie das Teil, damit die größte ebene Fläche unten liegt.
- 6
Wählen Sie oben Exportieren und dann STL. Die Datei laden Sie im Slicer.
Hinweis:Löcher brauchen Spiel. Ein Loch mit exakt dem Durchmesser des Gegenstücks wird in der Praxis meist zu eng, weil der Druck leicht ungenau ausfällt. Rechnen Sie bei Passungen mit etwa 0,2 bis 0,4 mm Zugabe und prüfen Sie das mit einem kleinen Probeteil.
Maße, Toleranzen und Wandstärken
Der Drucker bildet Wände aus Linien, deren Breite etwa dem Düsendurchmesser entspricht. Eine Wand, die dünner ist als zwei solche Linien, wird oft nicht sauber gedruckt. Mit einer 0,4-mm-Düse sind Wände ab etwa 1,2 mm eine sichere Wahl, für belastete Teile dicker. Welche Düse zu welchem Zweck passt, steht im Beitrag Düsen für 3D-Drucker.
Beachten Sie auch den Elefantenfuß: Die unterste Schicht quillt häufig leicht nach außen. Wichtige Passflächen sollten Sie daher nicht direkt an der Druckplatte platzieren oder dort eine kleine Fase vorsehen. Mehr dazu unter Elefantenfuß beim 3D-Druck.
Prüfen Sie außerdem, ob das Teil in Ihren Bauraum passt. Die Abmessungen vergleichen Sie bequem mit dem Bauraum-Check.
| Thema | Faustregel | Hinweis |
|---|---|---|
| Wandstärke | mindestens 2 Linien, bei 0,4 mm Düse ab 1,2 mm | dickere Wände für Teile unter Last |
| Spiel bei Passungen | etwa 0,2 bis 0,4 mm | je nach Drucker und Material prüfen |
| Überhänge | bis etwa 45 Grad ohne Stützen | steilere Winkel brauchen oft Stützen |
| Lochdurchmesser | kleine Löcher fallen häufig etwas enger aus | bei Bedarf nachbohren |
| Ebene Unterseite | größte Fläche nach unten | bessere Haftung am Bett |
Typische Anfängerfehler
Der häufigste Fehler ist ein Modell, das nicht auf der Druckplatte steht. Schwebende Teile oder Formen mit winziger Auflagefläche lösen sich im Druck. Legen Sie das Teil so, dass eine möglichst große ebene Fläche unten liegt, und drehen Sie es notfalls vor dem Export.
Ebenfalls verbreitet sind zu feine Details. Kleine Schrift, sehr dünne Stege oder Spitzen unter einem Millimeter verschwinden oder reißen ab. Text sollten Sie erhaben und mit Strichstärken von mindestens zwei Linien anlegen. Außerdem vergessen viele, Formen zu gruppieren: Ungruppierte, sich überlagernde Körper können im Slicer zu Fehlern führen.
Zuletzt unterschätzen Einsteiger die Einheit. Tinkercad arbeitet standardmäßig in Millimetern, das sollten Sie vor dem Export kontrollieren, sonst erscheint das Modell im Slicer viel zu klein oder zu groß. Weitere Grundbegriffe finden Sie im Beitrag 3D-Druck Begriffe erklärt.
Export, Slicer und erster Druck
Exportieren Sie das fertige Modell als STL. Das Format beschreibt nur die Oberfläche als Dreiecksnetz, Farben und Einstellungen sind nicht enthalten. Öffnen Sie die Datei im Slicer, skalieren Sie nichts nach, wenn die Maße stimmen, und wählen Sie Material und Qualität. Eine Einführung in die wichtigsten Parameter bietet Slicer-Einstellungen für Einsteiger.
Drucken Sie neue Konstruktionen zuerst klein oder mit wenig Füllung als Probe. Passt etwas nicht, ändern Sie in Tinkercad nur das betroffene Maß und exportieren neu. So entwickelt sich ein Teil in wenigen Runden. Wer keine eigene Konstruktion braucht, findet fertige Dateien über 3D-Modelle finden und drucken.
Für Gewinde und Schraubverbindungen ist Tinkercad nur bedingt geeignet. Wie Sie solche Verbindungen im Druck lösen, beschreibt Gewinde im 3D-Druck.
Häufige Fragen
Ist Tinkercad kostenlos? Nach heutigem Stand lässt sich Tinkercad ohne Gebühr nutzen, benötigt aber ein Konto bei Autodesk. Prüfen Sie die aktuellen Bedingungen auf der Seite des Anbieters.
Welches Dateiformat brauche ich für den Slicer? Meist STL, alternativ OBJ oder 3MF. STL wird von praktisch allen Slicern gelesen und ist für einfarbige Teile völlig ausreichend.
Warum passt mein Teil nicht auf das Gegenstück? Meist fehlt Spiel. Druckergebnisse weichen leicht von den Sollmaßen ab. Planen Sie bei Passungen etwa 0,2 bis 0,4 mm Zugabe ein und drucken Sie ein kleines Probestück.
Kann ich in Tinkercad auch Schrift und Logos einbauen? Ja, es gibt einen Textkörper und den Import von SVG-Dateien. Achten Sie darauf, dass Linien dick genug sind, damit der Drucker sie sauber abbildet.
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